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13. August ist auch ein Auftrag
Liebe Leserin, lieber Leser,
heute vor 50 Jahren begann der Bau der Mauer. Der 13. August 1961 war ein historischer Tag. Ein Tag der das Leben grundlegend veränderte. Das endgültige Aus für die individuelle Freiheit im östlichen Teil Deutschlands. Niemand hatte eine Vorstellung davon, was danach kommen würde.
Die Bilder dieses Tages haben sich eingebrannt: das von Stacheldraht durchzogene Berlin, Menschen die in absoluter Verzweiflung aus Fenstern springen, um doch noch dem SED-Regime zu entkommen und fassungslose Gesichter auf beiden Seiten der Mauer über diesen unmenschlichen Schritt der DDR-Regierung. Dieser 13. August sollte die Teilung unseres Landes und ganz Europas für lange Zeit zementieren und erst am 9. November 1989 ein Ende haben.
Der Tag des Mauerbaus muss für uns einerseits Anlass zum Erinnern sein. Wir sollten heute den Opfern der Mauer gedenken: 136 Mauertote gab es nachweislich. Hinzu kommen all diejenigen deren Leben und Karrieren durch die Mauer zerstört wurde. All die auseinandergerissenen Familien und die vielen unbekannten Schicksale. Der 13. August 1961 muss uns eine Mahnung sein. Eine Mahnung wie schwer das Gut der Demokratie wiegt. Eine Mahnung für all das Leid, was mit solch einem Unrechtsstaat wie der DDR verknüpft ist.
Der 13. August sollte aber auch Anlass zum Aufbruch sein. Dieser Tag ist mehr als Geschichte und Erinnerung. Er ist auch ein Auftrag. Unsere Demokratie ist kein einmal errungener Zustand, sondern ein Prozess, in dem neue Ideen, kritische Fragen, Mitsprache und Teilhabe immer wieder aufs Neue errungen werden müssen. Wir brauchen gelebte Demokratie und Bürgerinnen und Bürgern, die sich engagieren, auf die Straße gehen und so ein Zeichen setzen, sei es gegen Rechts, wie am vergangenen Wochenende in Gera oder wie im Frühjahr diesen Jahres auf den zahlreichen Anti-Atom-Demonstrationen in Thüringen und ganz Deutschland.
Wir müssen den heutigen Tag auch dazu nutzen uns zu fragen, welches Bild der DDR wir an die kommenden Generationen weitergeben wollen. Die DDR, das Land von Ostseeurlaub und Club-Cola, in dem zwar alles etwas bescheidener war, aber schon irgendwie in Ordnung? Oder die DDR als eine totalitäre Diktatur, in der von heute auf morgen Recht zu Unrecht werden konnte? Und was ist aus dem urdemokratischen Ruf „Wir sind das Volk“ von 1989 geworden? Wie weit sind wir gekommen auf dem Weg in eine zivile Gesellschaft? Sind wir heute wirklich vor totalitären Anwandlungen sicher? Viele Fragen. Wir sollten sie immer wieder stellen, denn Demokratie und Freiheit sind mehr als Reisen und Konsum, während man der untergegangenen sozialistischen Diktatur nachtrauert.
Und noch etwas muss uns dieser 13. August lehren. Wir müssen Verantwortung übernehmen: Wenn heute auf dieser Welt Mauern gebaut werden, wie das in Mexiko geschieht oder Gräben wie in Griechenland und so unüberwindbare Grenzen zementiert werden und Menschen abgeschottet werden sollen, sollten wir genau hinschauen und uns fragen, ob das mit unseren Vorstellungen von Demokratie wirklich vereinbar ist.










