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27. Mai 2012
Zeitungen, Synodenpräses

"…dass uns das Feuer fasst, das nicht verzehrt, doch leuchtet"

Andacht für die Evangelische Sonntags-Zeitung in Hessen und Nassau zu Pfingsten, 27. Mai 2012

Pfingsten ist das Geburtstags-Fest unserer Kirche, des Geistes, des frischen Winds, der durch unser Leben weht, wo immer er es will. Heiliger Geist, der uns beflügelt und beschwingt und der uns mit seiner Begeisterung ansteckt, aus der Trägheit reißt.

Uns Menschen ist die Erde zur gedeihlichen Nutzung anvertraut. Mit dem Auftrag, fürsorgend mit seiner Schöpfung umzugehen, stehen wir direkt in der Verantwortung vor Gott. Doch bisher zerstören wir durch unseren Lebenswandel Stück für Stück das, was uns geschenkt ist. Und wir tun dies zunehmend immer schneller: Auf Sumatra, Indonesiens größter Insel, fallen zum Beispiel gerade die letzten Refugien bedrohter Tierarten den Palmölplantagen zum Opfer. Palmöl ist einfach das billigste Pflanzenfett, es befindet sich in der Hälfte aller Artikel, die in unseren Supermärkten zu kaufen sind. Pech für die letzten Orang-Utans, die mit dem niedergebrannten und bis zu 8000 Jahre alten Regenwald zugrunde gehen und verbrennen, wie ungezählte andere bedrohte Tierarten auch.

Wir müssen und wir können das ändern! Hier brauchen wir Aufbruch, brauchen Wut über das, was geschieht und an dem wir beteiligt sind durch unseren Lebensstil, wir brauchen Mut und Begeisterung. Jede und jeder von uns muss sich umstellen. Wir müssen anders leben. Umdenken und Umkehren. Müssen wir darum jetzt Einschränkung und Darben zu Pfingsten predigen? Nein! Lasst uns als Kirche lieber über das gute Leben reden. Darüber, zu entscheiden, was wir wirklich brauchen und was wahrer Genuss ist. Über einen Lebensstil, der dieser unserer Erde angemessen ist.

Das heißt: Bewusst konsumieren und hinterfragen, was in den Produkten enthalten ist – etwa Palmöl aus den Plantagen in Sumatra, wo vormals noch satter Urwald stand? Und ganz konkret: Mehr Fahrrad statt Auto fahren und öfter Zug. Und muss jede Urlaubsreise mit dem Flieger beginnen? Konsequent Energie sparen durch sparsame Geräte und Abschalten von Stand-by-Funktionen, weniger und bewusster gutes Fleisch essen, Kaffee und Tee aus fairem Handel und Lebensmittel, wo es geht, aus der Region.

Für Christinnen und Christen ist die Bewahrung der Schöpfung ein Wert an sich ist, für den wir keine Begründungen brauchen – sie ist Gottes Geschenk an uns. Und für dieses Geschenk soll unser Herz brennen. Deshalb: Wagen wir den Aufbruch und stiften wir andere an – zu einem bewussten Leben in Einklang mit Gottes Schöpfung, mit Blick fürs rechte Maß, mit Denken über den Tag hinaus und in Solidarität mit den Menschen und Tieren auch in anderen Teilen der Erde.

Im Pfingstlied "Gottes Volk geht nicht allein" (EG 554, 3) heißt es: "Möchte es auch uns geschehn, dass uns das Feuer fasst, das nicht verzehrt, doch leuchtet: damit wir die Wege wissen, die wir gehen sollen, wo ein Mensch den andern finden kann." Ja, lassen wir uns durch den Heiligen Geist anstecken und begeistern für Gottes Schöpfung und deren Bewahrung und Gottes Geist durch uns wirken!