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Fortschritt = Wachstum = Lebensqualität?
Fortschritt galt bisher als unhinterfragter Garant für Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität. Doch die Krisen unserer Zeit in ihrer miteinander verbundenen finanziellen, ökologischen und sozialer Dimension zwingen immer mehr Menschen zu der Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann. Spätestens seit dem weltweiten Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008 erlebt die Wachstumskritik eine Renaissance, welche die natürlichen Grenzen ungebremsten Wachstums in Frage stellt. Der Deutsche Bundestag stellt sich diesen Herausforderungen und hat hierfür fraktionsübergreifend die Enquete "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" eingesetzt, welche bis zum Ende dieser Legislatur einen übergreifenden Fortschrittsindikator entwickeln und Vorschläge für die Ausgestaltung einer nachhaltigen Wirtschafts- und Sozialpolitik erarbeiten wird.
Matthias Machnig wäre wohl nicht Thüringer Wirtschaftsminister, würde er diesen Zeitgeist nicht wenigstens ein Stück weit und mit einer eigenen Publikation bedacht für sich zu reklamieren versuchen. Es ist kein Geheimnis: Politische Selbstdarstellungen in Form von Autobiographien und Buchvorstellungen haben derzeit ebenso in Thüringen Konjunktur. Als Herausgeber der Publikation "Welchen Fortschritt wollen wir?" hat Matthias Machnig Köpfe und Denker aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft versammelt, die sich dieser Frage aus unterschiedlichen Blickwinkeln stellen. Es bleibt indes keine Randnotiz, dass trotz aller Fortschrittsbemühungen die weibliche Seite bis auf einen gleichberechtigten Beitrag im Buch weitgehend ausgeblendet bleibt, wie auch Christine Lieberknecht bei ihrer Präsentation des Buches bemerkte.
Anschließend diskutierte ich bei einer durch TA-Chefredakteur Paul-Josef Raue moderierten Podiumsdiskussion mit der Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, dem Thüringer Wirtschaftsminister sowie Bodo Ramelow über die Frage, welcher Fortschritt uns angesichts der engen ökologischen Grenzen noch ein Leben in Zufriedenheit und sozialem Frieden garantieren kann. Einig waren sich alle Beteiligten, dass es ein "Weiter so" nicht geben könne. Fest steht: Werte wie Glück und Lebensqualität lassen sich nicht allein an hohen Einkommen und der Verfügbarkeit materieller Werte messen. Soziale und kulturelle Infrastruktur sowie eine intakte Umwelt gehören ebenso dazu wie der gleichberechtigte Zugang Aller zu diesen Gütern.











