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Katrin Göring-Eckardt zum Reformationstag
Video des Phoenix Tagesspräch vom 31.10.2011 mit Katrin Göring-Eckardt, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland
Flash ist Pflicht!
Katrin Göring-Eckardt im Interview am 31.10.2011 auf
heute.de
heute.de: Am 31. Oktober ist Reformationstag. Und Deutschland feiert Halloween. Wie passt das zusammen?
Göring-Eckardt: Der Tag hat einfach zwei Traditionen, wobei das "Kürbisfest" erst seit Anfang der 90er Jahre aus den USA als eine Art "Zweitfasching" und mit Hilfe des Kommerzes zu uns gekommen ist. Der Reformationstag feiert in wenigen Jahren sein 500-jähriges Jubiläum, und von ihm ist damals, 1517, eine Wende in der Weltgeschichte ausgegangen. "Halloween" und Reformationstag kommen sich eigentlich nicht weiter in die Quere, einen echten Interessenkonflikt gibt es nicht. Außerdem: Die "Lutherbonbons", die von evangelischen Christinnen und Christen den Halloween-Kindern mitgegeben werden, sind seit Jahren der Renner!
Aber im Ernst: Ich freue mich, dass der Reformationstag in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat. Er ist in vielen Gemeinden ein wichtiger Tag geworden, mit besonderen Gottesdiensten und Empfängen. Die Lutherdekade, die seit 2008 auf das große Reformationsjubiläum 2017 hinführt, tut das ihre.
heute.de: Was ist schief gelaufen, wenn traditionelle kirchliche Feiertage in der Gesellschaft zusehends aus dem Bewusstsein verschwinden?
Göring-Eckardt: Was heißt schief gelaufen? Die Säkularisierung ist ein Phänomen, das uns seit vielen Jahrzehnten in Europa beschäftigt, und sie hat in den Jahren seit 1968 auch an Tempo gewonnen - davor dürfen wir die Augen nicht verschließen. Aber: Es gibt Gegenkräfte. Ich meine damit gar nicht die viel zitierte "Wiederkehr der Religion", sondern ich meine die konkrete Trendwende, die sich in den vergangenen knapp zehn Jahren in der evangelischen Kirche vollzogen hat und immer noch vollzieht: Das Glaubensthema wird vielen Christinnen und Christen wieder wichtiger und zwar ohne, dass es auf Kosten unseres ökologischen und sozialethischen Engagements geschieht. In der evangelischen Kirche hat der Reformprozess nach dem Impulspapier "Kirche der Freiheit" seit 2006 einige wichtige Erkenntnisse in die Praxis gebracht: Qualität von Gottesdiensten und Predigten, Regionalisierung statt Überforderung und ein neues Missionsverständnis, dem wir übrigens auf der Tagung der EKD-Synode, die vom 6. bis 9. November in Magdeburg tagen wird, nachgehen werden.
heute.de: Nur zur Erinnerung: Wie war noch die Botschaft des Reformationstages?
Göring-Eckardt: Die erste der 95 Thesen, die Martin Luther damals an die Wittenberger Schlosskirche schlug, lautet: "Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: ,Tut Buße' hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll." Das mag sich für heutige Ohren zunächst etwas trist anhören, aber Buße richtig verstanden meint doch eigentlich, dass wir das Recht haben, eine andere oder ein anderer zu werden. Wir bleiben nicht festgelegt auf das, was immer schon war oder die sogenannten "Sachzwänge", von denen so viel geredet wird, sondern wir dürfen aufbrechen, weil wir wissen: Ich bin ein Kind Gottes. Er liebt mich jenseits meiner Taten und Untaten, und ich muss mir mein Heil nicht selbst verdienen. Ich finde, diese Hoffnung macht froh und glücklich, und sie befreit uns zum Dienst am Nächsten.
Luther sagte es so schön in seiner heute etwas altertümlichen, aber trotzdem warmen und starken Sprache: "Oh, es ist ein lebendig, schäftig, tätig, mächtig Ding um den Glauben, dass unmöglich ist, dass er nicht ohne Unterlass sollte Gutes wirken. Er fraget auch nicht, ob gute Werk zu tun sind, sondern eh man fraget, hat er sie getan, und ist immer im Tun. Solche Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade machet fröhlich, trotzig und lustig gegen Gott und alle Kreaturen!"
heute.de: Und welche Wege könnten Ihrer Meinung nach erfolgreich sein, so einen Feiertag wieder ins Bewusstsein zu rücken?
Göring-Eckardt: Indem wir ihn selbst als evangelische Kirche wieder ernster nehmen - das geschieht ja wie gesagt schon seit einiger Zeit erfreulicherweise. Und dass wir uns nicht in falscher Abgrenzung zu einem harmlosen Spektakel wie Halloween erschöpfen. Man muss Halloween schon ein bisschen konsumkritisch sehen, aber nicht fürchten. Gnade und Wahrheit und ewiges Leben sind einfach eine andere Liga als "trick or treat".
Das Interview führte Christian Busse










