Grüne im Bund - Grüne Bundestagsfraktion - Grüne in Thüringen | Sitemap - Impressum
Mit weniger auskommen
Was ist das - ein gutes Leben? Und was braucht man dafür? Katrin Göring-Eckardt, Bündnis 90/Die Grünen, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages gibt Antworten. Sie verweist auf eine kluge solidarische Ökonomie des Genug.
Menschen träumen vom Fortschritt. Fortschreiten, voranschreiten - das brauchen wir nicht nur, das wollen wir auch. Wir wollen uns weiterentwickeln, wir wollen weiterdenken und weiter Neues entdecken. Das ist Teil des "guten Lebens".
Doch brauchen wir dafür auch immer neues Wachstum? Ich bin da nicht nur sehr skeptisch. Angesichts immer knapper werdender Rohstoffe ist das für mich längst keine Frage unseres Wollens mehr.
Wenn wir weiterhin gut leben möchten, können wir meines Erachtens nicht weiterleben wie bisher.
Bisher hat noch jede Generation ihren Kindern versprechen wollen, dass sie besser oder wenigstens genauso gut leben werden. Das ist heute unrealistisch. Wir werden mit weniger auskommen müssen, was immer noch sehr viel sein wird.
Das heißt aber auch, dass wir uns schon heute fragen müssen: Was bedeutet das für die Gesellschaft? Wie werden wir das Wenige neu verteilen, wie werden wir künftig Energie verbrauchen, wohin entwickeln sich unsere Sozialsysteme? Wir brauchen eine kluge solidarische Ökonomie des Genug, wenn wir es ernst meinen mit dem gesellschaftlichen Frieden.
Viele verbinden heute mit dem guten Leben neue moderne Technik - Handys, Computer, Autos. Ich bin nicht skeptisch hinsichtlich neuer, technischer Errungenschaften. Aber ich frage mich, ob zum Beispiel die Umstellung von Autos auf Elektromotoren schon ausreicht, um Mobilität zukunftsfähig zu machen?
Wir sind in den letzten Jahrzehnten immer effizienter geworden, aber wir verbrauchen nicht weniger fossilen Treibstoff. Wir haben zwar effizientere Kühlschränke, aber dafür nicht nur den einen, sondern noch einen im Partykeller oder in der Laube. Brauchen wir wirklich jedes Jahr ein neues, effizienteres Smartphone?
Effizienz allein löst die Probleme nicht.
Es kommt also darauf an, auf welche Definition vom guten Leben wir uns künftig einigen werden. Ich denke dabei nicht an immer größeren Einkommen, sondern an Lebensqualität, an eine intakte Umwelt, an soziale und kulturelle Infrastruktur.
Mein Lieblingsindex zum Messen von Zufriedenheit ist nicht das Bruttoinlandsprodukt, sondern der sogenannte Happy Planet-Index, in den auch Werte wie Lebenserwartung, Gesundheit, Bildung und Sozialstaatlichkeit einfließen.
Die glücklichsten Deutschen leben nach einer Untersuchung in Schleswig-Holstein, wofür auch Infrastruktur und Natur mit ausschlaggebend sind, aber auch so etwas wie Ehrenamt.
Das gefällt mir als Grüne besonders gut. Ermutigen wir uns, unbequeme Fragen zu stellen. Brauchen wir in der Burnout-Gesellschaft noch mehr Mobilität, was bedeutet das für Leben, Familie und Kinder?Das gute Leben fängt für mich mit Zeitökonomie und Entschleunigung an, dafür müssen wir uns nur noch mehr zutrauen.
---
Beitrag online unter gruenlink.de/5nh










