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28. Dezember 2011
Interviews, Synodenpräses

Synodenpräses Göring-Eckardt erwartet vom Taizé-Treffen Stärkung der Ökumene

Berlin (epd). Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Katrin Göring-Eckardt, erwartet von dem Europäischen Jugendtreffen der Taizé-Bruderschaft in Berlin auch eine Stärkung der Ökumene. Das Jugendtreffen mache deutlich, dass es zwischen den verschiedenen Konfessionen mehr Einendes als Trennendes gebe, sagte Göring-Eckardt am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in der Bundeshauptstadt

epd-Gespräch: Lukas Philippi und Jens Büttner

epd: Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem Treffen Tausender junger Christen in Berlin?

Katrin Göring-Eckardt: Ich bin gespannt auf die Begegnungen und die Gespräche mit den Jugendlichen, und ich freue mich auf die Gebete. Das ist ja das Spannende: dass hier, wie auch beim Kirchentag, Gebet und Gottesdienst mit konkreter Weltverantwortung verbunden werden. Also Spiritualität nicht als Weltflucht, sondern im Gegenteil: als Kraftquelle, um sich den aktuellen Herausforderungen zu stellen.

epd: Was bedeutet ein Christen-Treffen in einer Stadt wie Berlin, in der nur noch jeder Dritte Mitglied einer Kirche ist?

Göring-Eckardt: Ich hoffe, dass die Menschen neugierig werden, gerade auch die, die ansonsten wenig Berührungspunkte mit dem Glauben oder der Kirche haben. Dass sie sich fragen: Was ist es, was diese jungen Leute begeistert? Was gibt ihnen diese Hoffnung, diese leuchtenden Augen? Und: die sind ja ganz anders, als ich mir Christen immer vorgestellt habe: fröhlich, bunt, laut!

epd: Kann die Ökumene in Deutschland von dem Taizé-Treffen profitieren?

Göring-Eckardt: Auf jeden Fall macht das Jugendtreffen deutlich, dass es mehr gibt, was die Konfessionen eint, als was sie trennt. Ich glaube, bei den gemeinsamen Gebeten wird niemand danach fragen: Bist du katholisch oder evangelisch? Und eine solche Erfahrung kann die Ökumene in Deutschland nur stärken.

epd: Benötigt die Kirche neue Formen der Spiritualität und des Zusammenkommens, um junge Menschen für den Glauben zu begeistern?

Göring-Eckardt: Schauen Sie doch mal hin: Es gibt doch schon eine wunderbare Fülle unterschiedlicher Formen des Gottesdienstes und der gelebten Spiritualität. An Ideenreichtum mangelt es wahrhaftig nicht, das sehen wir bis in die Gemeinden hinein. Aber vor allem junge Menschen lassen sich nicht nur durch die richtige Form überzeugen, sondern der Inhalt muss stimmen. Wenn beides zusammen kommt, wie z.B. auch bei den Evangelischen Kirchentagen, sind junge Menschen mit großer Freude dabei.

epd: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen 2012 für die evangelische Kirche und ihre Gemeinden?

Göring-Eckardt: Unsere Hauptaufgabe und Herausforderung ist und bleibt, die gute Nachricht von der Gnade Gottes an alle Menschen auszurichten. Aber dann auch: in der und für die Gesellschaft Kirche zu sein, den Mund aufzutun für die Stummen, wie es im Alten Testament heißt. Und angesichts vielfältiger Krisen- und Schreckensmeldungen heißt das ganz konkret, unverzagt und hoffnungsfroh an der Gestaltung unserer Welt mitzuwirken.